Archiv für die Kategorie ‘Ethik’

Never Ever.

Veröffentlicht: 21. Juli 2016 in Be happy, Born Free, Ethik

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Hartwig Maly, 2016

Es wird immer wichtiger, gerade in Folge der Finanzmarktkrise 2007/ 08 und unter anderem der Krise um VW, als Führungskraft, Rückgrat zu haben. Arsch in der Hose. Vorgesetzten zu widersprechen wenn deren Anweisungen illegal oder illegitim sind. Auch wenn sie Choleriker sind. Oder Psychpathen. Auch wenn wir uns gelegentlich nicht trauen. Vertrauen sei die Schattenwährung unserer Wirtschaft, schreibt Thomas Straubhaar im folgenden Artikel der heutigen Die WELT. Eigentlich sollte Unternehmensethik in BWL- und Managementvorlesungen nicht erforderlich sein. Es sollte im Geschäftsleben ‚einfach‘ nur um Anstand gehen, neben Gewinnzielen, die näher an denen der 80er Jahre liegen, im höheren einstelligen Bereich als bei denen der Shareholder-Value-Zeit mit zwischen 20 und 30 Prozent Umsatzrendite. Letztlich um das, was den ehrbaren Kaufmann ausmachte. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Vermutlich sowohl im Geschäfts- als auch im Privatleben eher aus der Mode gekommen. Die Ehrbarkeit.

Thomas Straubhaar, Vertrauen ist die Schattenwährung unserer Wirtschaft, Die WELT, 28.09.2015

Hallo Johannes, ich gestehe, dass es nicht einfach ist, Literatur zu Ihrem Thema des 3. Integrations-Workshops zu finden. Wie würde ich das Thema angehen? Einige Gedankenskizzen dazu.

DEFINITIONEN: Ewiges Leben ist eine mediale Überzeichnung eines Zieles der Firma Calico, eines Joint Ventures zwischen Google und dem Biotechnologieunternehmen AbbVie. Es geht um Lebensverlängerung. Budget und beteiligte Wissenschaftler sprechen für ein sehr seriöses und ambitioniertes Vorhaben. Hinter dem Vorhaben stehen jahrtausendealte Menschheitsträume religiöser- und metaphysischer Art.

‚Ewiges Leben‘ bezeichnet einerseits den Seins-Zustand, in dem ein Lebewesen nie stirbt bzw. durch den das Leben mit dem biologischen Tod nicht endet. Im Gegensatz dazu verstand Thomas von Aquin unter Ewigem Leben nicht das unbegrenzte biologische Dasein, sondern die „höchste Steigerung des Lebendigseins in einem vollkommenen Lebens-Tun“ (Vgl. Flow ). Der erste Ansatz ist chronologischer Natur (s. Chronos), von Aquins Ansatz ist dem Griechischen Gott Kairos geschuldet. Bei ihm geht es darum, den Augenblick zu leben. Den Tag zu pflücken.

Jungbrunnen und Heiliger Gral sind Mythen menschlichen Sehnens, biologisch deutlich länger zu leben. Die Calico-Wissenschaftler suchen nach einer wissenschaftlichen Entsprechung. Nach Möglichkeiten, zum Beispiel, die endliche Anzahl von Zellteilungen bis zum biologischen Tod zu beeinflussen, zum Beispiel durch Steuerung der Verkürzung sogenannter Telomere. Der Google-Chefingenieur Ray Kurzweil ist Transhumanist und sieht in kybernetischen Erweiterungen unserer menschlichen Körper eine Möglichkeit der Lebensverlängerung. Welche Ansätze ´Ewigen Lebens´ scheinen Ihnen für Ihre Arbeit vielversprechend?

RISIKEN/ VORSORGE: Die Voraussetzungen ‚Ewigen Lebens‘ für Christen scheinen klar. Zum Beispiel keinen Reichtum. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Markus 10,25. Dafür gibt es allerdings keine gesicherten experimentellen Belege. Und so weit ich das überblicke, keine Versicherung im Sinne einer Risikovorsorge. Für die Lebensverlängerung durch Calico wird es ´Belege´ geben. Die statistisch ermittelte durchschnittliche Lebenserwartung. Die Lebenserwartung nach individueller genetischer-  und epigenetischer Diagnose. Bei Calico geht es, soweit ich es verstehe, nicht um die Behebung genetischer Defekte zur Verlängerung von Leben, um eine durchschnittliche mitteleuropäische Lebensdauer zu erreichen. Lebensverlängerungen  für den kleinen und den großen Geldbeutel? 20 Jahre, 100 Jahre oder 200 Jahre. Wie Calico et al. in  Haftung nehmen, wenn die Leistungen unzureichend erbracht werden. 150 Jahre statt der vereinbarten 200 Jahre? Was machen, wenn ich meiner Lebensverlängerung bereits nach 150 Jahren überdrüssig werde? Wird es auch dafür ein ´Service-Pack´ geben? Werden Calico et al. das Angebot ´Ewiges Leben´ skalieren können, um es einer möglichst großen Anzahl an Menschen zugänglich machen zu können. Wird der Markt für Versicherungen wirtschaftlich attraktiv genug sein? Wie das vermutlich sehr komplexe Wechselspiel zwischen Gewinn und Ethik evaluieren und dessen Auswirkungen auf Marke und Image der anbietenden Versicherung?

MARKT/ ETHIK: Wer wird diese Leistungen in Anspruch nehmen können? Nur sehr Vermögende? Oder für eine Gesellschaft unverzichtbare Leistungsträger.  Auf Kosten der Gemeinschaft? Was ist mit Minderleistern (Arbeitsamtterminus)? Wie wird eine Gesellschaft aussehen, in der ein relativ kleiner Anteil an Menschen ‚ewig‘ jung und schön aussehen wird und der Großteil der Menschen, zufällig an anderem Ort und zu anderer Zeit geboren, den Gesetzen der Statistik folgend, stirbt. Wie muss eine Gesellschaft organisiert sein, um mit in Folge dieser Technik auftretenden Spannungen fertig zu werden? Eine schwierige Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Attraktivität und sittlichem Verständnis. Für Aristoteles waren moralisches, wirtschaftliches und politisches Handeln nicht voneinander zu trennen: Wirtschaft und Ethik bildeten seinerzeit zusammen mit der Politik den Bereich der praktischen Philosophie, und hier sprach er der Ethik die Priorität zu. Allerdings waren die Verhältnisse in einem griechischen Stadtstaat der Antike überschaubarer als in einer globalisierten, hochkomplexen und hochgetakteten Wirtschaftswelt des 21. Jahrehunderts. So merkt die Basler Philosophin Annemarie Pieper an „So stehen sich Wirtschaft und Ethik zwar nicht als Feinde, aber ganz gewiss auch nicht als Freunde gegenüber. Wie können wir also Wirtschaft, Ethik und Politik in unserer heutigen Zeit zu Verbündeten in der Not machen, so dass sie nicht gegeneinander kämpfen, sondern an einem Strick ziehen?“ [1] Zum Beispiel beim Thema profitable Vermarktung von Versicherungsdienstleistungen um ‚Ewiges Leben‘ herum.

Das lieber Johannes, sind einige Anmerkungen zum Thema Ihrer Projektarbeit. Bis die Tage.

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1] Annemarie Piper, zitiert in impact – März 2001, Hg: basis – Basler Institut für Sozialforschung und Sozialplanung

© H. Maly, 2015

© H. Maly, 2015

Zum dritten Mal wird Anfang 2016 ein Integrationsworkshop des Lehrstuhls BWL/ Versicherung der Dualen Hochschule Mannheims stattfinden. Über 100 Studenten entscheiden sich für fünf Themengruppen. Bei mir geht es um ´Megatrends und Geschäftsopportunitäten für die Versicherungsbranche – Ein Blick ins Jahr 2045´. Das Kurzweil-Jahr. In dem Roboter Menschen in allen Belangen überlegen sein sollen. Welche Chancen und Risiken (u.a. ethische) ergeben sich zum Beispiel aus dem Google/ Calico-Projekt Lebensverlängerung/ Ewiges Leben?

Endlich! Wieder! Erste Anzeichen von Aufbruchsstimmung. Der dritte Integrationsworkshop des Lehrstuhls BWL/ Versicherung der Dualen Hochschule Mannheims winkt am Horizont des Terminkalenders. Anfang 2016, an noch unbekannter Location. Nach den vergangenen beiden Veranstaltungen im gediegenen Ambiente eines Golfhotels in der Pfalz, diesmal spartanischer. Irgendwie sehe ich einen großen Raum im Industriehafen Mannheims vor mir. Industriestraße? Mal sehen, was geht. Bei knappen Kassen. Trotzdem. In some way it should be an intellectual and physical outer space. Wie die Themen für meine Gruppe. Hoffe ich. Davon gleich mehr. Circa 100 Studenten werden auf wenige Themengruppen verteilt, die Ergebnisse Ihrer wissenschaftlichen Ausarbeitungen vortragend und diskutierend. Wie in 2014 und 2015. In meinen Gruppen bisher eine konzentrierte, diskussionsfreudige und trotzdem relaxte Atmosphäre, der man nicht anmerkte, dass es Prüfungen waren und es um eine Menge Credits ging. Wechselnde zusätzliche Teilnehmer aus anderen Gruppen sorgten für ein universitäres und nicht schulisches Umfeld.

Der Workshop bietet die Gelegenheit, Gedanken fliegen zu lassen. Sich zu begeistern, anspruchsvolle Fragestellungen wissenschaftlich zu untersuchen und auf die für die Unternehmenspraxis relevanten Ergebnisse hin einzudampfen. In den vergangenen Jahren das Themenfeld ‚Globalisierung ist Krieg‘  mit Vorträgen zu den Themen: Disruptive Technologien, Economic Hitmen, Ehrbarer Kaufmann, Game Changer, Psychopathen, Eliten (Jesuiten, E-4-Leadership etc.), Black Swans, VUCA-World, Krieger und ihre Waffen, Strategien und Strategeme u.v.m. . Spannend, aber zwei Jahre sind genug [1, 2, 3].

Was hat mich in diesem Jahr bewegt? Zwei Dinge. Ich möchte meinen Studenten Gelegenheit geben, zu erfahren, dass es keine Herausforderung gibt, der sie intellektuell nicht gewachsen sind. Und, dass dies viel Freude bereiten kann.  Auch in einem kulturellen Umfeld, Deutschland, Südwestdeutschland, in dem man eher problem- denn lösungsorientiert denkt und in dem ‚Nichts gesagt, ist Lob genug‘ gelebt wird. Ich wünsche mir für den Workshop einen ‚Silicon Valley Spirit‘. Nicht, das haben wir noch nie gemacht. Oder, soweit in die Zukunft gedacht? Drei Jahre? Ist bei uns nicht üblich. Ich wünsche mir die Einstellung des Google LabX-Chefs Thrun, der seine Forschung, die Entwicklung einer neuen Geschäftsopportunität beginnt mit den Fragen ‚Warum sollen Autos nicht fliegen?‘ oder ‚Warum sollen wir nicht ewig leben?‘ Anything goes. Unsere große Begeisterungsfähigkeit wird im Laufe des Berufslebens noch oft genug gebeutelt werden. Ich würde mich freuen, wenn das Event im sechsten Semester – wie in den vergangenen Jahren – als eine Mischung aus big challenge und big intellectual party wahrgenommen würde.

Die zentrale Idee für meine Gruppe im Februar 2016 ist ‚Megatrends und Geschäftsopportunitäten für Versicherungen – Blick in das Jahr 2045′. Einige Trends aus den Bereichen Ökologie, Gesellschaft und High-Tech werden darauf hin überprüft, welche Chancen und Risiken denkbar sind? Wer oder was dafür verantwortlich sein könnte? Welche Produkte oder Dienstleistungen zur Vorsorge denkbar sind. Das Jahr 2045 ist vom Google Chefingenieur Ray Kurzweil als technische Singularität definiert worden. Als Zeitpunkt, in dem Automaten oder Roboter Menschen in allen Belangen übertreffen werden. Eine abschließende Plenumsdiskussion unter den referierenden Studenten soll einen Blick in die weitere Zukunft, in das Kurzweil-Jahr,  ermöglichen, um ein Gefühl für das Gesamtgemälde zu entwickeln, das sich aus den Puzzlesteinen der Vorträge ergibt und die Rolle, die Versicherungen in ihr spielen könnten. Nun zu den Themenvorschlägen.

HIGH-TECH
AFFECTIVE COMPUTING
Hintergrund: Rosalind Picard vom MIT Media Lab, Leiterin der Affective Computing Research Group, beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, Maschinen die Wahrnehmung von Gefühlen beizubringen. Picards Arbeiten zu computerisierten Brillen wurden zu Google Glasses weiter entwickelt und sollten helfen, nicht nur Gebäude zu identifizieren oder den kürzesten Weg zu einem Geschäft mit Schnäppchen-Angeboten sondern Menschen und ihre Stimmungen. Stellen Sie sich bitte vor, bei welchen Gelegenheiten (Beschwerden, Meldung eines Schadens etc.) es für eine Versicherung hilfreich wäre, Emotionen bei Kunden eindeutig zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu veranlassen [4]. Verbal oder in Social Media-Netzwerken mit Apps ähnlich ´Five Labs´ zur Persönlichkeitsanalyse. Wie könnten Außendienstmitarbeiter in 2045 aussehen, wenn Sie sich die Arbeiten von Cynthia Breazeal, einer Associate Professor für Human-Robot Interaction, ansehen, zum Beispiel den Roboter Jibo [5,8] oder dessen Weiterentwicklungen in den nächsten Jahrzehnten.
Fragen: Welches Potential haben die beiden Forschungsbereiche? Stehen Sie unmittelbar vor der Marktreife? Wie werden sie unser Leben beeinflussen? Werden Produkte unsere Emotionen ihnen gegenüber wahrnehmen können und sich angemessen anbieten? Werbeplakate. Versicherungspolicen. Flyer? Werden unsere emotionalen Profile als Waren gehandelt werden? Wer wird uns vor Manipulationen schützen? Ist es nicht wünschenswert, dass Dienstleister meine Wünsche kennen und mich verwöhnen können? Was, wenn ich mal abschalten möchte in einer Welt permanenter digitaler Geschwätzigkeit? Wer schützt meine individuelle Sphäre? Ist es nicht gut für alle Versicherten wenn man Versicherungsbetrug schnell identifizieren kann und so die Versicherungsgemeinschaft schützt? Hat der Versicherte nicht Anspruch auf kostengünstige Angebote hoher Qualität? Effiziente Prozesse. Automaten/ Roboter, die dies 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche gewährleisten können? Schlanke, effiziente Prozesse werden einen erheblichen Teil an Arbeitskräften freisetzen. Welche Jobs werden noch übrig bleiben? Werden Roboter die besseren Menschen sein? Können Sie sich vorstellen, wie die Transhumanisten, dass Sie Ihren Körper um kybernetische Komponenten ergänzt, deutlich leistungsfähiger machen können und möchten? Was macht eigentlich Menschlichkeit aus?
Aufgabe: Fassen Sie den aktuellen Stand der Forschung in den Bereichen ´Affective Computing´und ´Human Robot Interaction´ zusammen und schätzen Sie die Möglichkeiten des Einsatzes in der Versicherungsbranche ein. Extrapolieren Sie die Entwicklungen bis zur Singularity. Schätzen Sie das wirtschaftliche Potential ab. Betrachten Sie diese Entwicklungen unter rechtlichen- und ethischen Aspekten (Gesinnungsethik, Utilitarismus etc.). Stimmen Sie sich auf die langfristige Prognose ein, mit dem gerade im Kino laufenden Film ‚Ex Machina‚ von Alex Garland [6] und dem Roman ´Der Circle´ von Dave Eggers [7].

DRIVERLESS CAR
Hintergrund: Eines von Googles Moonshot-Projekten beschäftigt sich mit fahrerlosen Automobilen.  Verantwortlich ist der deutsche Forscher Sebastian Thrun, ehemaliger Direktor des Stanford Artificial Intelligence Laboratory und ´Google Fellow´. Er baute die geheime Forschungsabteilung GoogleX ab 2011 auf.  Thruns etwas über 20  Testfahrzeuge sind seit 2012 über eine Millionen autonome Kilometer gefahren und nur in 12 kleinere Unfälle verwickelt gewesen. Bis 2020 will Google, zur Zeit noch ausstehende Probleme gelöst haben wie heftigen Regen oder Schnee oder Polizisten, die Google-Cars zum Halten veranlassen möchten. 2012 reihte die Zeitschrift ´Foreign Policy´ Thrun unter den 100 einflussreichsten Denkern der Welt auf Platz vier ein. Seit April 2014 holte ihn einer der größten global tätigen Finanzdienstleister, die Credit Suisse, in den Verwaltungsrat. Natürlich nicht ohne Grund. Der Bereich Telematik verspricht erhebliche Potentiale. DER SPIEGEL 11/ 2015 schreibt unter ´Rollende Rechner´auf den Seiten 64/ 65, dass der Vizegouverneur von Masschusetts um fünf Uhr morgens in seinen Dienstwagen stieg, um Kaffee und Zeitungen zu kaufen. Auf der Interstate-Autobahn 190 kam sein Ford von der Straße ab, prallte auf einen Felsen und überschlug sich. Der Politiker blieb unverletzt. Er sei angeschnallt gewesen, beteuerte er und habe sich an das Tempolimit gehalten. Acht Wochen später war klar, nichts davon traf zu. Obwohl es keine Zeugen gab. Daten des ´Event Data Recorders´ des Airbags und des elektrische Kontrollmoduls des Motors widerlegten ihn. Dutzende Chips, Sensoren und Prozessoren sammeln ständig Daten, werten sie aus und speichern sie.Vernetztes Fahren wird nach McKinsey  bis 2020 ein Geschäft mit geschätztem Volumen von 170 Mrd. Euro sein.
Fragen: Ist es nicht angenehm, sich vorzustellen, dass Sie während einer Autofahrt machen können, was immer Sie mögen und wie von selbst an Ihrem Bestimmungsort ankommen? Mobilität rückt aus dem Mittelpunkt an den Rand. Mobilität als App wie andere auch. Welche Hoffnungen und Ängste könnten Kunden damit verbinden? Werden sie noch am letzten Platz, so der Opel-Chef Neumann,  an dem sie bisher Ruhe hatten, zum gläsernen Menschen werden? Klären Sie unter welchen Bedingungen und zu welchem Zweck auf Daten zugegriffen werden darf. Wie viel Autonomie bleibt den Autofahrern? Wem gehören die Daten? Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur ´Informationellen Selbstbestimmung´ aus 1983 scheint eindeutig. Die Position des VW-Chefs Martin Winterkorn für ihn ebenfalls: „Die Daten gehören uns.“ Kein Wunder, wenn der Wert eines Datensatzes aus einem drei Jahre laufenden Leasingfahrzeug mit 1.500 bis 3.000 Euro beziffert wird (ebenda DER SPIEGEL 11/ 2015). Wird Datenschutz zur Kernkompetenz von Automobilherstellern? Welche Interessen haben Kfz-Versicherer? Die Versicherungswirtschaft fordert diskriminierungsfreie Schnittstellen, um am Geschäft zu partizipieren.
Aufgabe: Beschreiben Sie den aktuellen Stand der Forschung zum Thema ´Driverless Car´. Skizzieren Sie mögliche neue Geschäftsfelder oder Änderungen bestehender Geschäftsfelder für die Versicherungsbranche und deren Chancen und Risiken. Auch rechtliche. Denken Sie in diesem sensiblen Bereich an die großen Wirkungen kleiner Effekte [9]. Evaluieren Sie Marktgrößen und Opportunitätskosten/ Verzichtskosten, wenn Chancen aus dem Bereich Telematik nicht wahrgenommen werden. Wagen Sie eine Vorhersage in Sachen Mobilität für das Jahr 2045. Lassen Sie sich dabei inspirieren durch das Buch des theoretischen Physikers Michio Kaku [10].

EWIGES LEBEN
Hintergrund: 
Die Bezeichnung ist etwas reißerisch. Um was geht es? Google Inc. hat in 2013 die Gründung des Biotechnologieunternehmens Calico angestoßen.Das Ziel des Unternehmens ist es, Methoden gegen die menschliche Alterung zu entwickeln. Das Unternehmen wird von Arthur D. Levinson zusammen mit Robert Cohen, Hal V. Barron, David Botstein und Cynthia Kenyon geführt. Drei der vier letztgenannten waren bereits im Vorfeld im Bereich der Gentechnik sehr erfolgreich beschäftigt. Levinson erhielt als CEO und Chairman des zweitgrößten Gentechnik-Unternehmens Genentech 321 Millionen US-Dollar Entschädigung nach der Übernahme Genentechs durch Roche. 2013 beschrieb Google-Mitgründer Larry Page in einem offenen Brief, das Unternehmen Calico habe den Fokus „Gesundheit, Wohlbefinden und Langlebigkeit“. Im September 2014 gab die Firma bekannt, dass sie mit dem US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen AbbVie (Umsatz 19,9 Mrd. USD in 2014) zusammenarbeiten würde, um die Forschungsarbeiten stärker auf den Alterungsprozess und altersbedingte Krankheiten fokussieren zu können. Jedes der beiden Unternehmen plant, zunächst 250 Millionen USD in die gemeinsame Forschung zu investieren mit der Option die Forschungsgelder um weitere 500 Millionen USD zu erhöhen.
Fragen: Welche Folgen kann eine Verlängerung von Leben haben? Individuell? Gesellschaftlich? Wer entscheidet, wer länger leben darf? Der Gesellschaftliche Nutzen. Der Markt? Wie hoch werden die individuellen- und gesellschaftlichen Kosten sein für eine Verlängerung von Leben? Untersuchungen zeigen, dass die Ungleichheit der Einkommensentwicklung [13] und Vermögensverteilungen in den vergangenen Jahrzehnten auch in industrialisierten Ländern zugenommen haben. Wird Lebensverlängerung ein Privileg eines kleinen reichen Anteils der Bevölkerung in der wohlhabenden nördlichen Hemisphäre unseres Globus? Wäre dies ethisch vertretbar? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen könnte dies in Europa haben? Welche Auswirkungen auf unser KV-System? Auf das Solidarprinzip? Wird es eine Lebensverlängerungsversicherung geben können?
Aufgabe: Skizzieren Sie gesellschaftlich-, wirtschaftlich- und ethisch tragfähige Lösungen für ein Angebot Calicos in Deutschland. Welche Rolle werden Versicherungen dabei spielen?

GESELLSCHAFT
UNGLEICHHEITSVERSICHERUNG
Hintergrund:
Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Robert Shiller warnt vor neuen Spekulationsblasen: Beschäftigte würden aus Sorge, ihren Job zu verlieren, voll auf Aktien setzen. Shillers Gegenentwurf: eine Police gegen den digitalen Umbruch.Das eigentlich große Thema unserer Zeit seien die in vielen Bereichen wachsende Ungleichheit und der Aufstieg der Informationstechnologie, die zahlreiche Berufe überflüssig machen werden [13]. Der Einzelne fragt sich: Wo ist mein Platz in dieser neuen Welt? Die Angst ist da, an den Rand gedrängt zu werden. Über Gewinne an den Börsen versuchen sich die Menschen damit abzusichern. Als Lösung sieht Shiller 1. Höhere Steuern für Reiche, um Löhne von Geringverdienern zu subventionieren. Denkbar seien auch negative Einkommenssteuern. Je später wir beginnen,die zunehmende Ungleichheit steuern zu wollen desto schwieriger wird es werden. 2. Eine Ungleichheitsversicherung. Sie würde so ähnlich funktionieren wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung und dann zum Tragen kommen, wenn Ihr Humankapital wegen des Fortschritts in Ihrem Beruf entwertet würde. Ein Roboter ersetzt Sie. Pessimistische Schätzungen gehen davon aus, dass 80 Prozent aller Jobs in industrialisierten Ländern davon betroffen sein könnten. Die Versicherung könnte privat organisiert werden. Jeder einzelne könnte etwa Aktien ausgeben, die den Käufer an seinem wirtschaftlichen Erfolg beteiligen. Auf diese Weise entsteht ein Markt für Humankapital. Den Gedanken hatte bereits Milton Friedman in seinem Buch ´Kapitalismus und Freiheit´ entwickelt.[14] 
Fragen:
Gibt es Trends divergierender Einkommens- und Vermögensentwicklungen in der Welt? [15] Welche Berufe werden in einigen Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Roboter ersetzt werden? Nur mit hohen Lohnkosten/ Lohnstückkosten verbundene Jobs? Wäre die Ungleichheitsversicherung nur in industrialisierten Ländern sinnvoll? Wie könnte sie im prinzipiell funktionieren?  
Aufgabe:
Beschreiben Sie Shillers Konzept der Ungleichheitsversicherung. Spielen Sie es persönlich durch. Wie sähe solch eine Versicherung für Sie aus? Unter welchen Bedingungen würden Sie diese Versicherung abschließen. Wie könnte ein lukratives Angebot auf dem deutschen Markt aussehen? Wann wäre sie für Sie als Vorstand einer Versicherungen attraktiv?

UNWELT:
CARBON BUBBLE
Hintergrund: 
Versicherer sind bemüht Gelder ihrer Versicherten möglichst lukrativ anzulegen. Sie gehen neue Investments ein oder trennen sich von ihnen. Im Augenblick geht die Furcht vor einer ´Carbon Bubble´ um und könnte die nächsten Jahrzehnte beherrschen. Welche Auswirkungen könnte diese Furcht auf die Portfolios von Versicherungen und die finanzielle Attraktivität diverser Produkte der Branche haben? Was hat es mit der ´Carbon Bubble´ auf sich? Nach der Meinung von Leuten, die der Stimmungsmache unverdächtig sind, dem früheren US-Finanzminister Henry Paulson oder dem britischen Ökonomen Nicholas Stern, Exchefvolkswirt der Weltbank, hat die Bubble das Zeug zu einer veritablen Finanzkrise. Die Annahme hierzu lautet: „Wenn die Staats- und Regierungschefs Ende des Jahres in Paris mit dem Zwei-Grad-Ziel Ernst machen und dem Ausstoß an Treibhausgasen Grenzen setzen, bekämen Energiekonzerne wie Exxon, Shell oder BP ein gravierendes Problem, vielleicht sogar eines, das ihre Existenz bedroht. Ihre Rohstoffreserven verlören erheblich an Wert, da ein Großteil des Öls, Gase und der Kohle dann ungenutzt im Boden bleiben müßten. […] Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, dürfte die Welt [Anm.: nach den Finanzanalysten der Carbon Tracker Initiative.] nicht mehr als 565 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen. Wenn man die bekannten fossilen Reserven verfeuerte, würde aber fast fünfmal so viel ausgestossen, rund 2.800 Milliarden Tonnen.“ Also noch einmal kurz zusammengefasst:
i  ] 565 Mrd. Tonnen CO2-Emission,um das Zwei-Grad-Ziel bis 2050 zu erreichen
ii ] 745 Mrd. Tonnen CO2-Emissionen entsprechen den fossilen Brennstoffen, welche die Energieriesen in ihren Bilanzen als Vorrat ausweisen.
iii] 2.795 Mrd. Tonnen CO2 würden bei einer Ausbeutung aller heute bekannten Reserven frei.
Gründe, Beteiligungen an Öl-, Gas- oder Kohlefirmen abzustoßen. Immerhin geht es um die, nach der IT-Branche größte Anlageklasse der Welt mit rund 1.500 wichtigsten Unternehmen, die eine Marktkapitalisierung in 2014 von fast 5 Billionen Dollar darstellten.
Fragen: Ist die ´Carbon Bubble´einer von vielen (Medien)Hypes oder steckt etwas Substantielles dahinter? Wieviel Prozent ihrer Werte müßten große Erdölkonzerne vmtl. abschreiben, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen? Welche Finanzstabiltätsrisiken könnten daraus resultieren? Welche Auswirkungen auf die Gestaltung von Investment- und Desinvestment-Strategien in den Portfolios von Versicherungen könnte dies haben? Welche Chancen ergäben sich für die Versicherungsbranche daraus? Welche Risiken gälte es zu berücksichtigen?
Aufgabe: Beschreiben Sie das Modell der ´Carbon Bubble´ ausführlicher und leiten verschiedene Szenarien ab bzgl. der Finanz-Portfolios für Versicherungen/ Versicherungsgruppen, die sich als langfristig orientierte Investoren verstehen. Stellen Sie verschiedene Dienstleistungen/ Versicherungen und deren Finanzierbarkeit auf den Attraktivitäts-Prüfstand vor dem Hintergrund der ´Carbon Bubble´[11, 12].

THEMEN KÖNNEN MEHRFACH BELEGT WERDEN!!!!

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1 ] Maly, Hartwig; 1. Integrationsworkshop, Management-Flaneure, Blog ‚Shaping Alpha Power‘, 7. März 2014, https://shapingalphapower.wordpress.com/2014/03/07/management-flaneure/
2 ] Maly, Hartwig; 1. Integrationsworkshop, Der mit der Globalisierung tanzt, Blog ‚Shaping Alpha Power, 3. April 2014, https://shapingalphapower.wordpress.com/2014/04/03/der-mit-der-globalisierung-tanzt/
3 ] Maly, Hartwig; 2. Integrationsworkshop, Wirtschaftskrieger in der VUCA-Welt, Blog ‚Shaping Alpha Power‘, 4. April 2015, https://shapingalphapower.wordpress.com/2015/04/04/wirtschaftskrieger-in-der-vuca-welt/
4 ] Tina Kaiser, Thomas Jüngling, Benedikt Fuest, Thomas Heuzeroth, Titelthema: Die Menschenversteher, WamS, 21. Juni 2015
5 ] Jibo: The World’s First Social Robot, Youtube, https://m.youtube.com/watch?v=3N1Q8oFpX1Y
6 ] Ex Machina, ALex Garland, 2015, Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=GAv2aquUxDo  , Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ex_Machina_ (Film)
7 ] Hartwig Maly, Blog ShapingAlphaPower, Yo Man – Transparency And The Evil Closer Together Than Many Of Us Expect, 24. Oktober 2014, https://shapingalphapower.wordpress.com/2014/10/24/yo-man-transparency-and-the-evil-closer-together-than-many-of-us-expect/
8 ] Dietrich Brunner, Bachelorarbeit ´Neuroselling´, 2014, Kurzfassung im Blog ShapingAlphaPower, 26. April 2014, https://shapingalphapower.wordpress.com/2014/04/26/neuroselling-das-gehirn-kauft-mit/
9 ] Hartwig Maly, DIe große Bedeutung der kleinen Dinge, Blog ShapingAlphaPower, 12. April 2012, https://shapingalphapower.wordpress.com/2012/04/12/die-bedeutung-der-kleinen-dinge/
10] Michio Kaku, Die Physik der Zukunft: Unser Leben in 100 Jahren, Dez. 2013
11] Wikipedia, Kohlenstoffblase https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffblase
12] Alexander Jung, Die dreckige Billion, DER SPIEGEL 23/ 2015, S. 68- 70
13] Hartwig Maly, Will Your Job Be Done By A Robot? Blog ShapingAlphaPower, 23. Mai 2015, https://shapingalphapower.wordpress.com/2015/05/25/will-your-job-be-done-by-a-robot/
14] Daniel Eckert, Holger Zschäpitz, Wilde Ideen entwickeln, Welt am Sonntag, 31. Mai 2015
15] LE MONDE diplomatique, Atlas der Globalisierung, Die Welt von morgen. Der lange Abschied vom Wachstum, S. 10-13, 2012

Vor einigen Tagen habe ich Ihnen einen Test angeboten, anhand dessen Sie abschätzen können wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass Ihr Job von Maschinen, zum Beispiel Robotern übernommen werden könne. Vielleicht werden Sie sagen, dass in dem Test nirgendwo von Moral die Rede sei. Roboter deshalb bestimmte Aufgaben nicht wahrnehmen können. Gleich, wie sehr ihre Autonomie, also die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln zunehmen wird. Fehlende Moral begrenze sie. Roboter seien für bestimmte Aufgaben als Altenpfleger oder Krankenpfleger, als Arzt, also in Berufen, die häufiger in moralische Dilemmata geraten, eher nicht geeignet. Ich könnte entgegnen, stimmt, allerdings könne fehlende Moral sie entgrenzen und für besondere Aufgaben besonders geeignet erscheinen lassen. Zusammen mit einem ‚High risk/ high profit-Chip als Testosteron-Surrogat seien sie im Investmentbanking besonders geeignet.

Warum lassen sich nicht bestimmte grundlegende normative ethische Konzepte (Kantsche Pflichten- und Gesinnungsethik, Folgen- und Verantwortungsethik, Singers preferenzieller Utilitarismus etc.) als Fundament einer angewandten Ethik, einer Roboterethik für den Sozialisationsprozess selbstlernender autonomer Handhabungsautomaten, Roboter also, encodieren, damit sie so sehr oder so wenig wie wir Menschen begrenzt sind. Natürlich ginge das.  Die starke KI lässt grüssen. Sehen Sie sich den gerade im Kino laufenden Film  ‚Ex Machina‘ an, um zu staunen, was vermutlich in wenigen Jahrzehnten Realität sein wird. Spannende Aspekte, die auf dem aktuell laufenden Internationalen Festival für Philosophie, der phil.COLOGNE von der Philosophin Janina Sombetzki vorgetragen werden. Es gibt also noch eine Robotikwelt neben der reinen technischen, im Augenblick vermutlich zu Recht gehypten Produktion-4.0-Welt. Hören Sie also hinein in das spannende Gespräch mit der Referentin im folgenden Beitrag des Deutschlandfunks. Viel Spass.

Es gibt Branchen, die oft honorig und legal aufzutreten scheinen aber oft nicht legitim unterwegs sind. Die ein bemerkenswertes systemisches kriminelles Potential zu haben scheinen oder zumindest virtuose Grenzgänger in diesem Bereich sind. Banken zum Beispiel. Scheinbar nicht endende Prozesse um die UBS, die Deutsche Bank oder andere sprechen Bände. 6.000 Gerichtsverfahren sind aktuell allein bei der Deutschen Bank anhängig.

Wie sieht es bei EY, KPMG, PwC und Deloitte aus? Den ‚Big Four‘ unter den Wirtschaftsprüfern? „An ihnen kommt fast niemand unter den Konzernen vorbei: Allein in Deutschland kontrollieren sie vier Fünftel der 160 großen Aktiengesellschaften, beschäftigen gut 32.000 Menschen und setzen 4,4 Milliarden Euro um“[1]. Weltweit 750.000 Angestellte bei 120 Milliarden Euro Umsatz. Geballte  Expertise nicht nur in Sachen Audits oder Wirtschaftsprüfung sondern auch im Kreativbereich Steuervermeidung. Und geballte Kenntnisse vieler Unternehmensinterna.

Sie möchten mehr über diese Branche wissen? Hören Sie hinein in den folgenden spannenden  Beitrag des Deutschlandfunks.

1] http://www.deutschlandfunk.de/wirtschaftspruefungsgesellschaften-die-macht-der-insider.724.de.mhtml?dram:article_id=319526

In 2013 two Oxford scientist Frey and Osborne published a paper on expected impacts of future computerisation on US labour market outcomes, with the primary objective of analysing the number of jobs at risk and the relationship between an occupation’s probability of computerisation, wages and educational attainment. According to their estimates, about 47 percent of total US employment is at risk.

May be you want to know how technology may affect your job in 20 years. What job do you think may be hardest for a robot to do? The answer: Mental health and substance abuse social workers. This job has a 0.3 percent chance of being automated. That’s because it is ranked high in cleverness, negotiation, and helping others. The job most likely to be done by a robot? Telemarketers.

Try to find out what some smart people think future job markets might look like. Maybe yours. PLEASE CHOOSE YOUR JOB COMBINATION touching the following picture.

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1] Carl Benedict Frey, Michael A. Osborne, The Future Of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation, http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf , Oxford, September 17, 2013

Yo Man (1), it´s Eudaimonia!

Veröffentlicht: 27. Juli 2014 in Be happy, Erfolg, Ethik, Yo Man
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imageFür Aristoteles gab es wichtigere Dinge im Leben als Geld. Von ihm – es überrascht nicht wirklich – stammt die erste bekannte ökonomische Theorie. Der griechische Philosoph geht in ihr von den natürlichen Bedürfnissen des Menschen aus. Ökonomie ist danach schlicht, vom griechischen Wort oikos= Haus abstammend, Haushaltslehre. Deren Ziel sei die Deckung des eigenen Bedarfs. Gelderwerb also nur als Mittel zum Zweck. Des Menschen Ziel sei nicht Reichtum, sondern die Eudaimonia, das gelungene Leben. Wer genug Geld hat, um ein gutes Leben zu führen, habe wirklich genug. Ohne diesen Maßstab gäbe es keine Grenze. Man wolle immer mehr.

1] Uff pälzisch – Jou, alda Schlabbä

Ist Quantität die neue Qualität im Internet? Ist stumpfes mechanisches Suchen eine getarnte Form von Weisheit? Klingt nach Neusprech aus Huxleys ´Brave New World´? Oder Neudenk.
Sie erinnern sich an meine beiden NSA-Posts vom 3. Juli? An den ´End of Theory´- Ansatz, wonach Daten in unvorstellbarer Menge imstande seien, das Paradigma der theoriengeleiteten Forschung abzulösen. Korrelation wäre demnach die neue Kausalität. Ein – wie bereits erwähnt – tragischer Irrtum. Wäre ´Big Data´ dann eher ´Fool Data´? Sollte Big Data nicht eher ´Smart Data´ heißen? Statt Fantasiegrößen wie Yottabyte und Zettabyte einfach wenige kluge Daten? Um es anschaulicher werden zu lassen, wie könnte man aus einer Fülle von ´Zahlen, Daten, Fakten´ wenige aktionsprägende, problemlösende Informationen gewinnen? Wie aus den Informationen Wissen bilden, also eine wahre und gerechtfertigte Meinung (justified true belief)? Wie letztlich aus Wissen Weisheit. Weisheit zu verstehen  als ein Filter, eine Fähigkeit, die sich auszeichnet durch wenige ungewöhnlich,tiefe Einsichten in das Wirkungsgefüge von Natur und Gesellschaft, getragen von einer einfachen herausragenden ethisch-moralischen Grundhaltung und dem damit verbundenen Handlungsvermögen? Das klingt weniger nach NSA, irgendeiner uns bekannten Software oder der Art wie Imperien machiavellistisch ihre Einflussbereiche ausbauen oder stabilisieren und eher nach dem Sinnspruch des neuplatonischen Philosophen Anicius Manlius Severinus Boethius´ „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ PRISM 20.0 vielleicht? Ein unter Umständen schweigendes Programm und Internet? Vergesslich vielleicht? Das klingt eher nach Michio Kakus Buch „Die Physik der Zukunft in 100 Jahren.“ Smart Force statt Brute Force. Lassen Sie mich meine Gedanken zu Big Data und Smart Data in den nächsten Wochen ein wenig sortieren. In den nächsten Posts. Mit gebotener Distanz zu hyperventilierenden Medien im Sommer zu diesem Thema, der sedierenden Argumentation Ronald Pofallas/ Angela Merkels mit dem vielleicht etwas irritierten aber im Grunde zufriedenen deutschen Michel in der Mitte.

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