Archiv für die Kategorie ‘Risiko’

Sie: Maly – nicht noch einen Artikel zu dem Thema. Es reicht.
Ich:
Keine Sorge, es geht mir heute nicht um unternehmensethische Betrachtungen zu Boni sondern um einige Überlegungen zu deren strategischem Einsatz aus der Sicht von Boards.

Bis vor wenigen Tagen war die eidgenössische Volksinitiative gegen die Abzockerei [1]  der vorläufige Höhepunkt dieses Jahres  in Sachen Bonuszahlungen. Anlass war der ´Golden Handshake´ des ehemaligen Novartis-Präsidenten Vasella in Höhe von 72 Millionen Schweizer Franken [2]. In der Huffington Post vom 10. März 2013 wurde ein weiterer Anlass zur Steigerung der Empörung von Nicht-Bankern publiziert, der sich auf eine aktuelle Recherche von Reuters bezieht[3]. Danach haben trotz Massenentlassungen  und öffentlichen Bescheidenheits-Bekundungen 35 der größten Banken der Welt in 2012 mehr Geld ausgeschüttet als in 2011. Die Ausgaben stiegen um 10 Milliarden auf insgesamt 275 Milliarden Euro [3]. Irgendwie scheint die Branche die Geduld von Steuerzahlern und deren Bankenaversion deutlich zu unterschätzen. Wie auch immer – das ist heute nicht mein Thema. Ich frage mich, warum die Boards börsennotierter Unternehmen sich nicht herausgefordert fühlen, Bonuszahlungen viel selektiver, taktischer oder strategischer einzusetzen.

Untersuchungen  aus den 90er Jahren zeigen [4], dass aktienbasierte Boni ein zweischneidiges Schwert sind. Sie können einerseits zu übertrieben riskantem oder  andererseits zu zurückhaltendem Verhalten führen. Martin, Gomez-Mejia und Wiseman  haben im Rahmen ihrer Untersuchungen von 1996 bis 2009 insgesamt 9143 CEOs ein Jahr lang beobachtet [5]. Ihr Ziel war es, einen Indikator festzulegen, „der die persönliche Neigung einer Führungskraft, Risiken einzugehen, in Bezug setzt zu den Forschungs- und Entwicklungsausgaben, dem Investitionsvolumen und den langfristigen Schulden des Unternehmens.“ Sie haben zudem den aktuellen Reichtum, der sich aus dem gegenwärtigen Wert  der Aktienoptionen von CEOs ergibt  und deren zukünftige Wertentwicklungen ins Verhältnis gesetzt (s. Abbildung). Das ebenso interessante wie einfache Ergebnis: Sobald der erwartete Reichtum etwa um ein Prozent zu steigen versprach, nahm die Bereitschaft Risiken einzugehen um 33 Prozent zu. Befürchteten die Führungskräfte einen Verlust des Vermögens um einen Prozent, sank die Risikobereitschaft um 18 Prozent.

Wichtig für Boards scheint es zu sein, sich klar zu machen, dass die Risikobereitschaft von CEOs beeinflussbar ist und sich im Laufe der Zeit stark ändern kann. CEOs sind bereit höhere Risiken einzugehen, wenn ihre Aktien noch nicht so viel wert sind und wenn sie davon ausgehen, dass es in naher Zukunft zu einem deutlichen Wertzuwachs kommen wird. Die gleichen CEOs werden  später vorsichtiger sein, wenn sie einen potentiellen Verlust – Kahnemans Risikoaversion – befürchten. Die Autoren weisen darauf hin, dass Menschen im Durchschnitt risikobereiter werden, wenn das Verhältnis zwischen potentiellem Gewinn und möglichem Verlust 2:1 beträgt [6]. Wenn das Verhältnis aus persönlichem Zugewinn und Verlusten größer 2:1 ist, könnte ein CEO versucht sein, zu hohe Risiken einzugehen oder zu vorsichtig zu sein, wenn das Verhältnis kleiner als 2:1 ist.IMG_1935[1]

Boards, die auf einen Innovations- und Expansionskurs setzen, sollten sich bewusst machen, ob der CEO bereits über ein beachtliches Vermögen verfügt. Verdiente CEOs mit dickem Aktienpaket könnten sich so risikoavers verhalten, dass es Sinn macht, sie rechtzeitig durch einen neuen Kandidaten auszuwechseln, der weniger Vermögen zu verlieren und mehr zu gewinnen hat.

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1] http://www.abzockerinitiativeja.ch/eidgenossische-volksinitiative-gegen-die-abzockerei/
2] Neue Zürcher Zeitung, 12. März 2013, 23:49, Daniel Vesella zieht in die USA, http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/daniel-vasella-zieht-in-die-usa-1.18044511
3] Huffington Post, Bank Pay Rose In 2012 Despite Cutback Efforts, Reuters |  Posted: 03/10/2013 8:00 am EDT http://www.huffingtonpost.com/2013/03/10/bank-pay-2012_n_2847544.html
4] Geoffrey Martin, Luis Gomez-Mejia und Robert M. Wiseman, Harvard Business Manager, November 2012, Reichtum macht vorsichtig, S.12-13
5] Selected Works of Geoffrey Martin,  http://works.bepress.com/cgi/viewcontent.cgi?article=1001&context=geoffrey_martin
6] Bei Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, 2012, Siedler Verlag, finden sich auf den Seiten 342 ff einige Anmerkungen zu Risikoaversionen. Auf Seite 348 in Abbildung 10 wird die Reaktion auf Gewinne und Verluste durch eine S-förmige Kurve beschrieben. Die beiden Teile der S-Kurve ober- und unterhalb des Wendepunktes sind nicht symmetrisch. Die Reaktion auf Verluste ist um den Faktor 2 stärker als die Reaktion auf entsprechende Gewinne. Weitere Informationen finden Sie unter Nathan Novemsky und Daniel Kahneman, The Boundaries of Loss Aversion, Journal of Marketing Research 42 (2005), S. 119-128

Dying and Resurrecting in iCloud

Veröffentlicht: 18. August 2012 in Be happy, Risiko
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Please read Mat Honans WIRED-article to avoid dying in the internet, How I Resurrected My Digital Life After an Epic Hacking , August 17, 2012.

„Sie werden sich wundern, wie häufig die kleinen, vernachlässigten Dinge zum Wichtigsten werden,“ sagt Morgan Freeman als begnadeter Profiler Dr. Alex Cross in dem 2001 erschienenen Film ´Im Netz der Spinne´.

Interessant, dass im Management von Unternehmen häufig besonders auf die offensichtlich großen Dinge geachtet wird. Zum Beispiel bei der Festlegung von Unternehmenszielen oder der Analyse von Ursache-Wirkungsbeziehungen. Diese großen ´Dinge´ haben dann große Namen und heißen zum Beispiel  ´Key Performance Indicator´, Schlüsselgrößen, welche maßgeblich zur Verbesserung der Leistung eines Unternehmens beitragen. Meist kurzfristig. Dummerweise sind es immer wieder die kleinen, garstigen Größen, die bei exponentiellen Wachstum weit über sich hinaus wachsen und Voraussagen  und Management durcheinander wirbeln.

Was hat es mit diesem exponentiellen Wachstum auf sich? Die folgende Geschichte mit den Fröschen und den Seerosen soll das veranschaulichen. Der Transfer in den beruflichen Alltag ist  nicht einfach, vor allem wenn Sie unter zeitlichem Druck stehen. Vielleich geht es Ihnen wie den Fröschen.

Es war einmal ein großer Teich auf dem eine Seerose wuchs. Und an diesem Teich lebten viele Frösche. Geruhsam und zufrieden, weil der Teich ihnen genug Futter bot. Überall da, wo noch keine Seerosen wuchsen. Die Anzahl der Seerosen verdoppelte sich von Tag zu Tag. Aus einer Seerose wurden am nächsten Tag zwei, aus den zweien dann vier und so weiter. Irgendwann würde der gesamte Teich mit Seerosen bedeckt sein und die Frösche würden kein Futter mehr finden. Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass die eine Seerose genau an der, den Fröschen entgegengesetzten Seite des Sees wuchs. Kein Anlass zur Sorge, sagten die Frösche, die Rose ist weit weg und es ist doch nur eine. Und so unternahmen die Frösche nichts, um die Seerosen zu fressen und zu dezimieren. “Wir haben noch sehr viel Zeit, bis der Teich zugewachsen sein wird”, sagten sie unisono. Eines Tages war der Teich zu einem Viertel bedeckt. “Wir haben noch viel Zeit”, sprachen die Frösche, “drei Viertel des Teichs sind noch frei”. Genauso am nächsten Tag. “Kein Grund zur Sorge, die Hälfte der Oberfläche ist noch frei”, sprachen sie noch immer unbesorgt. Was für eine Überraschung, als am nächsten Tag nichts mehr von der Wasseroberfläche zu sehen war. Das nennt man exponentielles Wachstum. Irgendwie fehlt uns ein Gen, um diese exponentiellen Veränderungen intuitiv verstehen zu können. Ebenso den Fröschen. Die Frösche waren auch nicht mit der Theorie eskalierender Feedback-Schleifen vertraut, sonst hätten sie gewusst, dass die Größen in diesem Schleifentypus immer exponentiell wachsen. Und häufig ganz klein anfangen. Arme Frösche. Ein Trost könnte es sein, dass es den Fröschen in anderen Unternehmen nicht anders geht.

Interessante Website: Konfliktbarometer HIIK

Veröffentlicht: 12. April 2012 in Erfolg, Ethik, Risiko
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Eine interaktive Website des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung zu Konflikten in 2009. Ein Blick und man sieht, wo Umbrüche das private und geschäftliche Leben dominieren.

Code der Krise, Teil II

Veröffentlicht: 23. Januar 2012 in Management, Risiko
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Im Artikel ´Code der Krise´ wird beschrieben, warum der Kapitalismus zunehmend in die Kritik gerät. Führungskräfte bereichern sich über ein gesellschaftlich verantwortbares Maß hinaus. Welche Bedeutung kommt dabei der D&O zu?

Annerose kommentiert den Artikel „Im Sinne der Spieltheorie wäre eine gewisse „persönliche“ Haftung dienlich. Offensichtlich ist der Preis des Jobverlustes nicht hoch genug in dieser Gehaltskategorie. Wie wäre es, wenn – wie viele Mittelständler und Kleinunternehmer auch der Manager nicht nur eine Art Angestellter ist, sondern mit einem Teil seines Privatvermögens haftet. Dann sind hohe Gehälter bzw. Boni erst dann „verdient“ wenn langfristiger gesellschaftlicher Erfolg ersichtlich ist.“

Der Preis des Jobverlustes beginnt für Führungskräfte zunehmend unangenehmer zu werden. Grund, führende Versicherer für die Managerhaftpflicht wie die Directors and Officers Liability Insurance (D&O) wecken durch langsame Bearbeitung und viele juristische Scharmützel Zweifel bei den Versicherten. Deckungszusagen für Abwehrkosten kämen so unter Umständen zu spät. Für die Betroffenen natürlich unerfreulich. Vielleicht reduziert das die Anzahl unangemessen risikofreudiger Entscheidungen und die Anzahl der Zocker oder Dummköpfe in Führungspositionen. Mit D&O schützen Unternehmen ihre Manager vor Schadensersatzansprüchen, bei denen ohne Versicherung das Privatvermögen der Führungskräfte herangezogen würde. Viele Schadensspezialisten sitzen zudem in London und haben meist keine Deutschkenntnisse. Dass es sich bei D&O-Policen in vielen Fällen nicht um Peanuts handelt, zeigt die Korruptionsaffäre bei Siemens. Dies war einer der spektakulärsten D&O-Fälle in Deutschland. Versicherer unter der Führung der Allianz zahlten 2009 rund 100 Millionen Euro. Sicher ein Grund bei Siemens die Compliance-Abteilung auf ca. 200 Mitarbeiter auszubauen. Im Fokus der Compliance stehen allerdings Bestechung und Bestechlichkeit und nicht Dummheit oder Unfähigkeit von Führungskräften. Ob der Markt das alles regelt ;-( ?

Großraumbüros!?

Veröffentlicht: 22. Januar 2012 in Projekte, Risiko
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Ich: Was halten Sie von Großraumbüros?
Er: Nichts. Meine Partner im Projekt hocken in Indien, Spanien oder den USA. Hier kann ich nicht konzentriert arbeiten, weil ich immer mehrere Kollegen im Hintergrund quatschen höre. Meist zu laut.

Und Ihre Branche?

Veröffentlicht: 22. Januar 2012 in Branchen, Macht, Risiko
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Corruption Perception Index 2011

Veröffentlicht: 19. Januar 2012 in Risiko
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Transparency stellt den Korruptions- wahrnehmungsindex CPI 2011 vor. Deutschland auf einem guten Platz 14. Gut zu wissen, mit wem man mit größerer Vorsicht Business machen sollte.  „Für den CPI 2011 wurden 183 Länder nach der im öffentlichen Sektor – bei Beamten und Politikern – wahrgenommenen Korruption bewertet. Angeführt wird der CPI 2011 von Neuseeland (9,5), Dänemark (9,4), Finnland (9,4), Schweden (9,3) und Singapur (9,2). Beamte und Politiker dieser Länder werden als besonders integer wahrgenommen.

Zwei Drittel der gelisteten Länder erreichten weniger als 5,0 von 10,0 Punkten. Auf den untersten Plätzen des CPI 2011 finden sich rohstoffreiche Länder wie Turkmenistan und Usbekistan (1,6) und von dauerhaften innenpolitischen Konflikten gezeichnete Länder wie Afghanistan und Myanmar (1,5). Weltweite Schlusslichter sind Somalia (1,0) und Nordkorea (1,0) auf Platz 182.“ [1]

1] Transparency International, 2011, http://www.transparency.de/Tabellarisches-Ranking.2021.0.html 

Global Risks 2012

Veröffentlicht: 18. Januar 2012 in Risiko, Strategie
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In their analysis ´Global Risks 2012´World Economic Forum focusses on important risks affecting our future.
Talking about our future it’s too little to talk only about air pollution and carbon dioxide. Our future depends on a complex system of interacting items like economic risks, environmental risks, geopolitical-, social – and technological risks. And the most dominating item is not the failure of climate change adaption. Please take some time to read this sophisticated analysis.

„Economic imbalances and social inequality risk reversing the gains of globalization, warns the World Economic Forum in its report Global Risks 2012. These are the findings of a survey of 469 experts and industry leaders, indicating a shift of concern from environmental risks to socioeconomic risks compared to a year ago. Respondents worry that further economic shocks and social upheaval could roll back the progress globalization has brought.“

Please visit the interactive microsite here.

Warum verspielen einzelne Trader immer wieder Milliarden? Für eine Studie hat die Universität St. Gallen Aktienhändler und Psychopathen verglichen. Selbst die Experten waren vom Ergebnis überrascht. Sie bescheinigen den Börsenprofis einen immensen Hang zur Zerstörung.

Warum verzocken Aktienhändler wie der vor zwei Wochen aufgeflogene Londoner UBS-Händler Kweku Adoboli bisweilen Milliarden? Was läuft da schief in den Banken, aber vielleicht auch bei den jungen Profis? Sie verhalten sich jedenfalls noch rücksichtsloser und manipulativer als Psychopathen – zu diesem Ergebnis kommt nach SPIEGEL-Informationen eine neue Studie der Universität St. Gallen.

Untersucht wurden Kooperationsbereitschaft und Egoismus von 28 Profi-Tradern. Die Probanden mussten Computersimulationen durchspielen und sich Intelligenztests unterziehen. Das Ergebnis übertraf laut dem Bericht des Nachrichten-Magazins die Erwartungen des Teams um Pascal Scherrer und Thomas Noll, Forensiker und Vollzugsleiter des Schweizer Gefängnisses Pöschwies nördlich von Zürich.“Natürlich kann man die Händler nicht als geistesgestört bezeichnen“, zitierte das Blatt Noll, „aber sie verhielten sich zum Beispiel noch egoistischer und risikobereiter als eine Gruppe von Psychopathen, die den gleichen Test absolvierten.“

Quelle: Vgl. manager magazin, Studie vergleicht Händler mit Psychopathen, 23. Oktober 2011
Detailliertere Information in der Neuen Züricher Zeitung, Städeli, M., Destruktive Dynamik im Handelsraum, 23. Oktober 2011