#Diskriminierung und #Viktimisierung. Der neue #Opferautoritarismus.
Einer der intelligentesten Artikel, den ich in den vergangenen Jahrzehnten gelesen habe. Vom neuen Feuilleton-Chef der Neuen Zürcher Zeitung, #RenéScheu [1].
Scheu analysiert sehr erfrischend, dass in den westlichen Gesellschaften, in denen Unterschiede zwischen Menschen im Wesentlichen eingedampft seien, es zu einem Wettbewerb der #Meistbeleidigten, der #Dauerdiskriminierten, von #Opferdarstellern käme. Das fälschlicherweise männlich konnotierte Wort „Student“ mag ein Beispiel hierfür sein. Dem Partizip Präsens „studens“ entsprechend, bedeutet es „studierend“. Ohne geschlechtlichen Bezug. In zeitgenössisch-narzisstischen „Diskursen“ sei es eine #Mikroaggression, „ein Mini-Gewaltakt, gegenüber Frauen, weil diese durch die Sprachhandlung ausgeschaltet werden.“ „Jede Meinungsäußerung läßt sich so als Angriff auf die eigene Person deuten […]. Die eigentliche Aggression scheint mir eher ein Mangel an Souveränität und an Augenmaß zu sein. Die eigentliche Makroaggression eher Narzissmus und ein Mangel an Bildung. Schlicht Dummheit.
Etwas deftiger zum Schluss, aber deshalb nicht weniger wahr, ein Zitat von #ClintEastwood, „Er nimmt Anstoß an der versnobten Haltung all der Sich-gekränkt-Fühlenden, die bloß auf sich selbst fixiert sind. […] ‚ „Mich quält der Gedanke an all die Arschlöcher, die sich beklagen. Ich sah Leute, denen es wirklich mies ging“ ‚.

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1] René Scheu, Der neue Opferautoritarismus, NZZ, 12.08.2016

Hygienische Netzstandards

Veröffentlicht: 2. August 2016 in Dummheit, Kultur, Literatur
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Auch Euer Blog kann jederzeit im #digitalenNirwana verschwinden. Ohne Angabe von Gründen. Entsprechend einem meist von US-amerikanischen Providern gesetzten #hygienischenNetzstandard. 15 Jahre intensivster Arbeit verschwunden? Kann nicht sein? Und ob.

Am 27. Juni 2016 wurde der Blog des Punk-Autors #DennisCooper [1] unter Verweis auf eine angebliche Verletzung der Nutzungsbedingungen und ohne Angabe von Gründen von der Google-Tochter blogspot.com gelöscht. Versuche des Autors, eine Reaktivierung seines über 15 Jahre entstandenes Lebenswerkes zu erreichen bzw. genauere Gründe zu erfahren blieben erfolglos. Suzanne Nossel, die Direktorin des US-amerikanischen P.E.N., drückte in einer Presseerklärung die Besorgnis der Organisation über das Vorgehen von Google aus:

„Disabling Dennis Cooper’s blog with no explanation and no assurance that his years of work have been preserved undercuts the trust that users place in online platforms that host their work and ideas.“ [2]

Tragisch, wenn Blogs nicht regelmäßig gesichert werden. Tragisch, wenn es Euch so ginge wie Cooper [3]. Also, bitte den eher nicht prüden Teil Eures Vokabulars ausblendend? Also nicht #CharlesBukowski-like oder DennisCooper-like oder . . . .? Heidi-like ginge, vermutlich😜.

1] Wikipedia, Dennis Cooper, 2006 begann Cooper auf Blogspot mit einem Blog denniscooper-theweaklings.blogspot.com, der in der Folge als DC’s oder auch The Weaklings bekannt wurde.
2] Südeutsche Zeitung, Graff, Bernd; Wie Google das Werk eines Schriftstellers einfach zerstörte; 1. August 2016, http://www.sueddeutsche.de/digital/internet-zensur-wie-google-das-werk-eines-schriftstellers-einfach-zerstoerte-1.3103057
3] The New Yorker, Krasinski, Jennifer; July, 24, 2016; http://www.newyorker.com/culture/culture-desk/why-did-google-erase-dennis-coopers-beloved-literary-blog

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Bild  —  Veröffentlicht: 21. Juli 2016 in Be happy, Born Free, Ethik

Hartwig Maly, 2016

Bild  —  Veröffentlicht: 23. April 2016 in Ethik, High-Tech, Sichtweisen
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Coolness am absoluten Nullpunkt.

Veröffentlicht: 23. April 2016 in Lifestyle
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Die aktuelle öffentliche Diskussion in Deutschland erinnert mich an ein Zitat aus dem Buch Georg von Wallwitz‘ aus 2015, ‚Odysseus und die Wiesel, eine fröhliche Einführung in die Finanzmärkte‘. Von Wallwitz, ehemaliger Investmentbanker, schreibt, dass er und  ehemalige Kollegen normale Kapitalanleger als Plankton bezeichneten. Und behandelten. Wie Plankton durch Meeresströmungen, werden Anleger häufig zu willenlosen Werkzeugen von Zockern, die es verstehen, sie durch Angst und Gier vor sich her zu treiben.

Ähnliches scheint sich aktuell in Deutschland zu ereignen. Teile der gesellschaftlichen Mitte werden durch „Hypermoral von links und blanke Gewalt von rechts“ [1] zunehmend verängstigt und für eine Radikalisierung der Gesellschaft instrumentalisiert. Von politischen Hasardeuren, Dilettanten und machiavellistischen Machtprofis. Unabhängig von der internationalen Wertschätzung, die Deutschland bei Umfragen in den vergangenen Jahren zuverlässigt erfährt. So auch bei einer kürzlich unter 16.000 ‚Global Citizens‘ durchgeführten Umfrage nach dem attraktivsten unter 60 Staaten weltweit. Deutschland war Nummer 1 [2].

Zurück zum ‚gesellschaftlich-politischen Plankton-Spiel‘. Diskurs wird hier zunehmend durch Diffamierung ersetzt. Im Nachklang zur Kölner Sylvesternacht wurde die Frage „Wer hat wem was getan?“ ersetzt durch „Wer darf was über wen sagen?“. Wie schreibt Joffe in der aktuellen ‚DIE ZEIT‘? [3], es geht um Sprachkontrolle, den Feind der Freiheit. ‚ „Dieses Geschäft hat früher der totalitäre Staat besorgt“ ‚. Orwell läßt [in seinem Roman ‚1984‘ [4]] einen Dezernenten aus dem Wahrheitsministerium dozieren: ‚ „Kapierst du denn nicht den eigentlichen Sinn von Neusprech? Beschweigen und beschneiden sollen die Bandbreite der Gedanken einengen. So werden Gedankenverbrechen buchstäblich unmöglich, weil es keine Begriffe mehr gibt, um sie auszudrücken.“ ‚

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Copyright Hartwig Maly, 2016, arrangiert mit der App ‚comic book!‘

Weil mein Blog vor allem mit Managementfragen zu tun hat, sei an dieser Stelle ein kurzer Exkurs erlaubt. Wie sähe ein Einsatz von Angst als professionellem Führungsinstrument aus? Oder dessen Verhinderung? Wie könnten zum Einsatz von Macht neigende ‚Führungscharaktere‘ rechtzeitig identifiziert und entweder gezielt eingesetzt [Economic Hitman, Positiver Psychopath] oder deren Beschäftigung rechtzeitig verhindert werden. Management by Angst wäre das spannende Thema für eine Bachelorarbeit. Einige Stichworte hierzu: Dunkle Triade, Psychopathen, Kevin Dutton und ‚Positive Psychopathen‘, Narzissten, Soziopathen, Kets de Vries-Psychopathen in der C-Suite, Milgram, [Sensorische] Deprivation, Machiavelli, Motivationstheorien.

1 ] Mangold, Imona; Der Verlust der Mitte, DIE ZEIT, 21. Januar 2016,  S. 37
2 ] US NEWS, The 60 Best Countries in the World, 2016
3 ] Joffe, Josef; >>Neusprech<< neu, DIE ZEIT, 21. Januar 2016, S. 8
4 ] Orwell, George; 1984

Shakespeare, W.: Hamlet, 1603, Hamlet Prinz von Dänemark, Polonius Ratgeber des Königs

POLONIUS. Gnädiger Herr, die Königin wünscht Euch zu sprechen und das sogleich.
HAMLET. Seht ihr die Wolke dort, beinah‘ in Gestalt eines Kamels
POLONIUS. Beim Himmel, sie sieht auch wirklich aus wie ein Kamel.
HAMLET. Mich dünkt, sie sieht aus wie ein Wiesel.
POLONIUS. Sie hat einen Rücken wie ein Wiesel.
HAMLET. Oder wie ein Walfisch.
POLONIUS. Ganz wie ein Walfisch.
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Graffiti und Change

Veröffentlicht: 3. Januar 2016 in Change, Lifestyle, Management
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imageEine unglaubliche Idee. Ebenso einfach wie spektakulär. Ich sehe etliche der 160.000 Mitarbeiter dieses traditionsreichen Unternehmens, kopfschüttelnd diesen Vorschlag ihres Chefs wahrnehmend und hoffentlich deutlich mehr, ihn begeistert umsetzend. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender des Industriekonzerns ThyssenKrupp hat den Konzern seit 2011 gründlich umgekrempelt. Konzernteile verkauft. Darunter das traditionsreiche Edelstahlgeschäft. ThyssenKrupp hat Hiesingers Ansicht nach [WamS, 03.01.2016, S. 30] viel erreicht. Sowohl auf der Kulturseite als auch in der Bilanz. Offenes, hierarchiefreies Miteinander -„nicht überall, aber immer öfter“- schafft Begeisterung, und die ist am Ende Grundlage für eine erfolgreiche Transformation.

Das könnte natürlich der abgehobene Eindruck eines Absolventen einer Elite-Management-Hochschule sein. Alleine seine Vita spricht dagegen. Ältestes von sechs Kindern, auf einem Bopfingener Bauernhof aufgewachsen. Promovierter Elektroingenieur. 20 Jahre Siemens. Zuletzt Vorstand für das Industriegeschäft.

Was ist nun mit der, von mir im Intro angesprochenen ‚unglaublichen Idee?‘ Hiesinger hatte kürzlich bei der Präsentation des neuen Markenauftritts, Spraydosen  mit der Farbe „Electric Blue“  an alle Führungskräfte verteilt. Und sie dazu aufgerufen, Name, Logo und Claim in der neuen Konzernfarbe auf Wände und Böden zu sprayen, um den Kulturwandel beim Dax-Konzern nach zahlreichen Skandalen der vergangenen Jahre nach außen hin zu symbolisieren. Sicher keine leichte Übung für zu domestizierte Manager. Ich sehe schon die Rechtsabteilung warnend im Hintergrund brummeln. Und hilflose Betriebswirte nach der passenden Harvard-Case-Study suchen😉.

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Bild  —  Veröffentlicht: 31. Dezember 2015 in Be happy, Sichtweisen
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