Archiv für die Kategorie ‘High-Tech’

Hartwig Maly, 2016

Hallo Johannes, ich gestehe, dass es nicht einfach ist, Literatur zu Ihrem Thema des 3. Integrations-Workshops zu finden. Wie würde ich das Thema angehen? Einige Gedankenskizzen dazu.

DEFINITIONEN: Ewiges Leben ist eine mediale Überzeichnung eines Zieles der Firma Calico, eines Joint Ventures zwischen Google und dem Biotechnologieunternehmen AbbVie. Es geht um Lebensverlängerung. Budget und beteiligte Wissenschaftler sprechen für ein sehr seriöses und ambitioniertes Vorhaben. Hinter dem Vorhaben stehen jahrtausendealte Menschheitsträume religiöser- und metaphysischer Art.

‚Ewiges Leben‘ bezeichnet einerseits den Seins-Zustand, in dem ein Lebewesen nie stirbt bzw. durch den das Leben mit dem biologischen Tod nicht endet. Im Gegensatz dazu verstand Thomas von Aquin unter Ewigem Leben nicht das unbegrenzte biologische Dasein, sondern die „höchste Steigerung des Lebendigseins in einem vollkommenen Lebens-Tun“ (Vgl. Flow ). Der erste Ansatz ist chronologischer Natur (s. Chronos), von Aquins Ansatz ist dem Griechischen Gott Kairos geschuldet. Bei ihm geht es darum, den Augenblick zu leben. Den Tag zu pflücken.

Jungbrunnen und Heiliger Gral sind Mythen menschlichen Sehnens, biologisch deutlich länger zu leben. Die Calico-Wissenschaftler suchen nach einer wissenschaftlichen Entsprechung. Nach Möglichkeiten, zum Beispiel, die endliche Anzahl von Zellteilungen bis zum biologischen Tod zu beeinflussen, zum Beispiel durch Steuerung der Verkürzung sogenannter Telomere. Der Google-Chefingenieur Ray Kurzweil ist Transhumanist und sieht in kybernetischen Erweiterungen unserer menschlichen Körper eine Möglichkeit der Lebensverlängerung. Welche Ansätze ´Ewigen Lebens´ scheinen Ihnen für Ihre Arbeit vielversprechend?

RISIKEN/ VORSORGE: Die Voraussetzungen ‚Ewigen Lebens‘ für Christen scheinen klar. Zum Beispiel keinen Reichtum. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Markus 10,25. Dafür gibt es allerdings keine gesicherten experimentellen Belege. Und so weit ich das überblicke, keine Versicherung im Sinne einer Risikovorsorge. Für die Lebensverlängerung durch Calico wird es ´Belege´ geben. Die statistisch ermittelte durchschnittliche Lebenserwartung. Die Lebenserwartung nach individueller genetischer-  und epigenetischer Diagnose. Bei Calico geht es, soweit ich es verstehe, nicht um die Behebung genetischer Defekte zur Verlängerung von Leben, um eine durchschnittliche mitteleuropäische Lebensdauer zu erreichen. Lebensverlängerungen  für den kleinen und den großen Geldbeutel? 20 Jahre, 100 Jahre oder 200 Jahre. Wie Calico et al. in  Haftung nehmen, wenn die Leistungen unzureichend erbracht werden. 150 Jahre statt der vereinbarten 200 Jahre? Was machen, wenn ich meiner Lebensverlängerung bereits nach 150 Jahren überdrüssig werde? Wird es auch dafür ein ´Service-Pack´ geben? Werden Calico et al. das Angebot ´Ewiges Leben´ skalieren können, um es einer möglichst großen Anzahl an Menschen zugänglich machen zu können. Wird der Markt für Versicherungen wirtschaftlich attraktiv genug sein? Wie das vermutlich sehr komplexe Wechselspiel zwischen Gewinn und Ethik evaluieren und dessen Auswirkungen auf Marke und Image der anbietenden Versicherung?

MARKT/ ETHIK: Wer wird diese Leistungen in Anspruch nehmen können? Nur sehr Vermögende? Oder für eine Gesellschaft unverzichtbare Leistungsträger.  Auf Kosten der Gemeinschaft? Was ist mit Minderleistern (Arbeitsamtterminus)? Wie wird eine Gesellschaft aussehen, in der ein relativ kleiner Anteil an Menschen ‚ewig‘ jung und schön aussehen wird und der Großteil der Menschen, zufällig an anderem Ort und zu anderer Zeit geboren, den Gesetzen der Statistik folgend, stirbt. Wie muss eine Gesellschaft organisiert sein, um mit in Folge dieser Technik auftretenden Spannungen fertig zu werden? Eine schwierige Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Attraktivität und sittlichem Verständnis. Für Aristoteles waren moralisches, wirtschaftliches und politisches Handeln nicht voneinander zu trennen: Wirtschaft und Ethik bildeten seinerzeit zusammen mit der Politik den Bereich der praktischen Philosophie, und hier sprach er der Ethik die Priorität zu. Allerdings waren die Verhältnisse in einem griechischen Stadtstaat der Antike überschaubarer als in einer globalisierten, hochkomplexen und hochgetakteten Wirtschaftswelt des 21. Jahrehunderts. So merkt die Basler Philosophin Annemarie Pieper an „So stehen sich Wirtschaft und Ethik zwar nicht als Feinde, aber ganz gewiss auch nicht als Freunde gegenüber. Wie können wir also Wirtschaft, Ethik und Politik in unserer heutigen Zeit zu Verbündeten in der Not machen, so dass sie nicht gegeneinander kämpfen, sondern an einem Strick ziehen?“ [1] Zum Beispiel beim Thema profitable Vermarktung von Versicherungsdienstleistungen um ‚Ewiges Leben‘ herum.

Das lieber Johannes, sind einige Anmerkungen zum Thema Ihrer Projektarbeit. Bis die Tage.

——————————————————
1] Annemarie Piper, zitiert in impact – März 2001, Hg: basis – Basler Institut für Sozialforschung und Sozialplanung

Deep Blue war ein von IBM entwickelter Schachcomputer. Ihm gelang es 1996 als erstem Computer der Welt, den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen zu schlagen, und 1997 auch in einem ganzen Wettkampf. Würde dem Roboter des Maschinenbauunternehmens Kuka AG ein ähnlicher Coup gegen einen der besten Tischtennisspieler aller Zeiten gelingen? Timo Boll.

)

„Ich mach aus diesem Fernseher eine Videowanze.“
Es gibt vor dem Hintergrund Orwells´ 1984 viele Gründe sich paranoid zu verhalten. Hier ein weiterer [1]. Die Forschungsgruppe „Security in Telecommunications“ der TU Berlin hat herausgefunden, dass man Smart-TVs mit einfachen Mitteln vielseitig einsetzen kann. Paparazzi können Prominente filmen, Einbrecher verlassene Wohnungen ausspionieren und Hacker Pirateriebörsen betreiben. Der Phantasie kreativer Techies sind keine Grenzen gesetzt.

Was uns häufig nicht bewusst ist. Smart-TVs sind sehr leistungsfähige Linux-Rechner mit besonders großem Bildschirm. Seit Mark Weiser 1991 in seiner Publikation „The Computer for the 21st Century“ [2] den Begriff ´Ubiquitious Computing´[3] geprägt hat, erwarten uns spannende neue Entwicklungen. Botnets, in denen sich unsere Socken, die wir in einem anstrengenden Businesstermin tragen, die wahrscheinlich non-invasiv Blutparameter bestimmen können mit dem Fernseher abstimmen, um – unsere mutmaßliche Ankunft  zuhause prognostizierend – eine Soap-Sendung zu unserer Entspannung abzuspielen. Versteht sich, dass unsere Wohnungstür noch einen kurzen Check-Up unserer Körpersprache und Mimik vornimmt, um kurzfristige Programmänderungen zu initiieren. Natürlich analysiert unser Fernseher ständig unsere Programmvorlieben und tuschelt unter anderem mit dem Kühlschrank darüber. Oder einem in den vergangenen Urlaub nicht mitgenommenem Hemd, dass auf Rache sinnt. Und im Hintergrund lachen ´High-Speed-Marketing-Börsen´ über immer ausgefeiltere Kundenprofile. Schöne neue Welt. Alles das ist technisch schon realisiert. Artificial Intelligence, lange Zeit eher ein Mauerblümchen-Dasein fristend, spielt dabei eine wichtige Rolle. Wie sagte mir gerade eine Telefonstimme, am KIT ausgebildet, der Urzelle Künstlicher-Intelligenz-Forschung. „Artificial Intelligence is better than None.“ Wie wahr. H. G. Wells Elois lassen grüßen.

Die von den Wissenschaftlern der TU Berlin getesteten Smart-TVs des Weltmarktführers kannten keinen Virenschutz noch Firewalls oder Rechtemanagement. Dinge, die einige von uns in der Folge der NSA-Machenschaften angefangen haben, lieb zu gewinnen. Es versteht sich, dass der Berliner Sicherheitsprofi seinen Smart-TV nicht mit der Fernbedienung ausschaltet. Er zieht einfach den Stecker. Angesichts des physischen Aufwandes und unserer Trägheit eher ein hypothetisches Konstrukt. Also – wir sehen uns. Es sei denn Sie verhängen die kleine unscheinbare Kamera an der Vorderseite Ihres Fernsehers.

___________________________________
1] Hilmar Schmundt, Glotze glotzt zurück, Der Spiegel, 8/ 2014, S.128
2] www.ubi.com, 09/91
3] In der Vision Mark Weisers werden Computer in Gegenständen des alltäglichen Lebens verschwinden. Sie werden allgegenwärtig – ubiquitious – sein. Wir sehen sie dann nicht mehr!!! Ubiquitious-Computing-fähige Gegenstände verlangen kein spezielles Equipment zu ihrer Bedienung oder die Kenntnis besondere Kommandos. Sie selbst können beobachten, analysieren, schlussfolgern und sich unterhalten. Das was Menschen auch können. Jede Socke. Jede Tür. Vielleicht jedes Blatt Papier. Denken Sie an den Fixkostendegressionseffekt. Kosten für Prozessoren und Speicher werden noch weiter marginalisiert als das ohnehin schon der Fall ist. Es gibt noch eine riesige Anzahl weiterer sehr phantasievoller Ansätze. Zum Beispiel, die Idee des Server-Staubes. Mikrometer kleine Rechner, die sich selbst reproduzieren können, wireless kommunizieren und aufgrund ihrer geringen Größe und ihres geringen Gewichts leicht vom Wind weltweit verteilt werden können. Das nenne ich mal einen mächtigen Gedanken. Infrastrukturproblem lösen sich wie im Fluge.

Ist Quantität die neue Qualität im Internet? Ist stumpfes mechanisches Suchen eine getarnte Form von Weisheit? Klingt nach Neusprech aus Huxleys ´Brave New World´? Oder Neudenk.
Sie erinnern sich an meine beiden NSA-Posts vom 3. Juli? An den ´End of Theory´- Ansatz, wonach Daten in unvorstellbarer Menge imstande seien, das Paradigma der theoriengeleiteten Forschung abzulösen. Korrelation wäre demnach die neue Kausalität. Ein – wie bereits erwähnt – tragischer Irrtum. Wäre ´Big Data´ dann eher ´Fool Data´? Sollte Big Data nicht eher ´Smart Data´ heißen? Statt Fantasiegrößen wie Yottabyte und Zettabyte einfach wenige kluge Daten? Um es anschaulicher werden zu lassen, wie könnte man aus einer Fülle von ´Zahlen, Daten, Fakten´ wenige aktionsprägende, problemlösende Informationen gewinnen? Wie aus den Informationen Wissen bilden, also eine wahre und gerechtfertigte Meinung (justified true belief)? Wie letztlich aus Wissen Weisheit. Weisheit zu verstehen  als ein Filter, eine Fähigkeit, die sich auszeichnet durch wenige ungewöhnlich,tiefe Einsichten in das Wirkungsgefüge von Natur und Gesellschaft, getragen von einer einfachen herausragenden ethisch-moralischen Grundhaltung und dem damit verbundenen Handlungsvermögen? Das klingt weniger nach NSA, irgendeiner uns bekannten Software oder der Art wie Imperien machiavellistisch ihre Einflussbereiche ausbauen oder stabilisieren und eher nach dem Sinnspruch des neuplatonischen Philosophen Anicius Manlius Severinus Boethius´ „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ PRISM 20.0 vielleicht? Ein unter Umständen schweigendes Programm und Internet? Vergesslich vielleicht? Das klingt eher nach Michio Kakus Buch „Die Physik der Zukunft in 100 Jahren.“ Smart Force statt Brute Force. Lassen Sie mich meine Gedanken zu Big Data und Smart Data in den nächsten Wochen ein wenig sortieren. In den nächsten Posts. Mit gebotener Distanz zu hyperventilierenden Medien im Sommer zu diesem Thema, der sedierenden Argumentation Ronald Pofallas/ Angela Merkels mit dem vielleicht etwas irritierten aber im Grunde zufriedenen deutschen Michel in der Mitte.

image

# Aufschrei NSA II

Veröffentlicht: 3. Juli 2013 in High-Tech, Science, Sichtweisen
Schlagwörter:, , , , , ,

(mehr …)

# Aufschrei NSA

Veröffentlicht: 3. Juli 2013 in High-Tech, Science, Sichtweisen
Schlagwörter:, ,

Wir leben in einer sehr empörungsbereiten Informationsgesellschaft mit extrem kurzem Gedächtnis, geringem Sachverstand und großem Manipulationspotential. Der Bericht der EU-Komission zum Großvater des PRISM – Echelon, im Juli 2000 veröffentlicht, geriet in den Wirren von 9-11 in Vergessenheit. Es ist halt sehr zeitaufwändig, Mails mit PGP zu verschlüsseln oder anonymisierende Browser wie Ixquick zu verwenden. Einfacher ist es, sich immer wieder mal zu empören. Investmentbanker kennen diese Herdenverhalten von Amateuranlegern und nennen diese despektierlich Plankton [G. von Wallwitz, Odysseus und die Wiesel, 2011, S. 59]. Willige Opfer eines jeden von ihnen aufgeblasenen Trends, der mit Angst und Gier spielt.

Seit Echelon hat sich die ‘Big Data-Welt’ gravierend geändert.Den neuen Suchstrategien von NSA und GCHQ liegt ein gravierend neuer, aus meiner Sicht fatal falscher Ansatz zugrunde, der ‘End of Theory’ [telepolis 02.07.2013]. “Im Jahr 2008 schrieb der Wired-Herausgeber Chris Anderson […dazu…], dass Daten in unvorstellbarer Menge imstande seien, das Paradigma der theoriengeleiteten Forschung abzulösen. Korrelation ist demnach die neue Kausalität. Wenn nur genügend Daten zur Verfügung stünden, werde der kausallogische Zusammenhang nebensächlich. Allein über die Korrelationen ließen sich Vorhersagen treffen, die sämtlichen theorie-, hypothesen- und kausallogisch geleiteten Prognosen überlegen sind.” [http://www.wired.com/science/discoveries/magazine/16-07/pb_theory ]

Damit sind über Pseudokorrelationen fehlerhaften Analysen Tür und Tor geöffnet. Chaos garantiert. Allerdings erinnere ich mich an einen Hoffnung stiftenden, spannenden Vortrag Prof. Cramers mit dem Thema “Ist Chaos da ist Schöpfung nah.” Sehen wir es optimistisch, wir leben “in statu nascendi” eines herausfordernden Informationszeitalters. Unter der Federführung der Curricula-fixierten US-Kultur.

War es von Clausewitz, der einst sagte – sehr frei wiedergegeben – dass jedes Curriculum beim ersten Feindkontakt stürbe?

New global marketplace for robots – drones

Veröffentlicht: 25. August 2012 in Ethik, High-Tech
Schlagwörter:,

An exciting discussion on automated warfare between John Robb author of the famous blog on global guerilla  and the author Daniel Suarez. It´s important for managers to know a lot more about high-tech at all and about development in the area of weapons in particular to get a gut feeling concerning their economical opportunities and threats. Unfortuntely most top managers are lawyers or Business Administrators and have a very restricted knowledge on technology.

Translating strategies to operational business means to understand tactics and technical opportunities. At least it might be interesting to think about military- drone-attacs to destroy or weaken a competitor´s production plant or research facilities. Of course illegal and unethical but an opportunity. Globalisation of economy is of course only another word for global warfare. I´m sure it won´t take at least ten years to produce drones with self-replication capabilities – like animal cells do – moving in autonomous swarms ( five years) to fulfill their mission. Seems to be science fiction but I think its close to reality or already reality. My personal recommendation concerning these issues, read the magazine WIRED.