Mit ‘Reinhard Selten’ getaggte Beiträge

JohnvonNeumann-LosAlamos2-788316Strategisches Denken ist seit Jahrtausenden die Kunst, einen Gegner zu überlisten, der das Gleiche mit Ihnen  versucht. Strategisches Denken ist heute nicht beschränkt auf Generäle oder Top-Manager. Fußballtrainer müssen Strategen sein, um Meisterschaften zu gewinnen. Kinder sind es immer gegenüber ihren Eltern. Anders läßt es sich ihr langfristiger Erfolg beim Durchsetzen von was auch immer nicht erklären.

Wenn Sie ein Ziel verfolgen, kann Ihre Umwelt neutral sein oder interaktiv. Neutral wäre, soweit bekannt, ein Baum, den Sie zu fällen versuchen. Er verfolgt keine eigenen Ziele. Interaktiv wäre eine Person, eine Gruppe oder eine Organisation, ein Kartell zum Beispiel, mit Zielen, die im Konflikt mit Ihren eigenen Zielen stehen oder Chancen für Bündnisse bieten. Entscheidungen in solchen interaktiven Situationen nennt man strategische Entscheidungen. Ein Plan mit den passenden Handlungsschritten wäre die Strategie.

Die Spieltheorie ist nichts anderes als die Wissenschaft vom strategischen Denken. Sie geht im Wesentlichen auf die deutschsprachigen Wissenschaftler John von Neumann [1, s. Abbildung],[2] und Oskar Morgenstern zurück. Von Neumanns Aufsatz „Zur Theorie der Gesellschaftsspiele“ erschien 1928. Die wichtigen Veröffentlichungen und damit die Begriffsbildungen erfolgten allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg auf Englisch. Deshalb heißen Konzepte in der Spieltheorie z. B. „Tit-for-Tat“ oder Brinkmannship. Mit den Nobelpreisen für Ökonomie wurden in 1994 die Spieltheoretiker John Nash, John Harsanyi und Reinhard Selten [3] ausgezeichnet und in 2004 Robert Aumann und Thomas C. Schelling . Letztere beschäftigten sich damit, wann Menschen kooperieren und wann sie sich befehden. Dabei stehen fast immer praktische Einsichten im Vordergrund und oft wirtschaftliche Fragestellungen. „Zum Beispiel die, dass es eine entscheidende Rolle spielt, wie oft man sich im Leben wiedersieht. Wenn einige Unternehmer Preisabsprachen für nur eine Saison treffen, lohnt es sich für den Einzelnen, diesen Preis zu unterbieten. Das Kartell [6] wird deshalb schnell instabil. Was aber, wenn sie Jahr für Jahr miteinander zu tun haben? Dann weiß auch der Skrupelloseste unter ihnen, dass er im nächsten Jahr die Quittung für das unkameradschaftliche Verhalten bekommen würde – und dass dann alle, auch er, unter sinkenden Preisen litten. Also bleibt er kooperativ zum Nachteil der Kunden [4]. Weitere Beispiele für Fragestellungen unserer Spieltheoretiker: Warum kann echte Ignoranz ein strategischer Vorteil sein? Warum legen New Yorker zeitweise 100 $ für Einbrecher auf den Tisch? Warum sitzen Studenten meist nicht in der ersten Reihe in der Vorlesung? Warum war es im Kalten Krieg wichtig, sich im Vorhinein zum Gegenschlag zu verpflichten, um nicht angegriffen zu werden? In unserer Welt finden wir viele weitere dieser„Schelling-“ und „Aumann-Fälle“, für die wir mit Hilfe der Spieltheorie Strategien finden können.

Die Spiele in dieser Theorie reichen vom Poker bis zur Pädagogik, vom Tennis bis zum Take-over, von der Werbung bis zum Wettrüsten [5]. Die Wissenschaft der Spieltheorie ist nach Nalebuff und Dixit [5, S. 5] noch lange nicht vollständig ausgebaut, und in mancher Hinsicht bleibt strategisches Denken eine Kunst.

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1] This image is a work of a United States Department of Energy* employee, taken or made during the course of an employee’s official duties. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain.*or predecessor organization; Los Alamos: Beginning of an era, 1943-1945; http://de.wikipedia.org/wiki/John_von_Neumann
2] http://de.wikipedia.org/wiki/John_von_Neumann
3] http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/1994/
4] DIE ZEIT, Die Konfliktforscher, 13. Oktober 2005, S. 29
5] Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff, Spieltheorie für Einsteiger, Stuttgart, 1997
6] „… Kooperation wirtschaftlicher Aktivitäten von unabhängigen Unternehmen, mit dem Zweck oder der Wirkung, den Wettbewerb zu verhindern oder zu beschränken.“http://www.de.wikipedia.org/wiki/kartell