Archiv für die Kategorie ‘Pathologisches’

#Diskriminierung und #Viktimisierung. Der neue #Opferautoritarismus.
Einer der intelligentesten Artikel, den ich in den vergangenen Jahrzehnten gelesen habe. Vom neuen Feuilleton-Chef der Neuen Zürcher Zeitung, #RenéScheu [1].
Scheu analysiert sehr erfrischend, dass in den westlichen Gesellschaften, in denen Unterschiede zwischen Menschen im Wesentlichen eingedampft seien, es zu einem Wettbewerb der #Meistbeleidigten, der #Dauerdiskriminierten, von #Opferdarstellern käme. Das fälschlicherweise männlich konnotierte Wort „Student“ mag ein Beispiel hierfür sein. Dem Partizip Präsens „studens“ entsprechend, bedeutet es „studierend“. Ohne geschlechtlichen Bezug. In zeitgenössisch-narzisstischen „Diskursen“ sei es eine #Mikroaggression, „ein Mini-Gewaltakt, gegenüber Frauen, weil diese durch die Sprachhandlung ausgeschaltet werden.“ „Jede Meinungsäußerung läßt sich so als Angriff auf die eigene Person deuten […]. Die eigentliche Aggression scheint mir eher ein Mangel an Souveränität und an Augenmaß zu sein. Die eigentliche Makroaggression eher Narzissmus und ein Mangel an Bildung. Schlicht Dummheit.
Etwas deftiger zum Schluss, aber deshalb nicht weniger wahr, ein Zitat von #ClintEastwood, „Er nimmt Anstoß an der versnobten Haltung all der Sich-gekränkt-Fühlenden, die bloß auf sich selbst fixiert sind. […] ‚ „Mich quält der Gedanke an all die Arschlöcher, die sich beklagen. Ich sah Leute, denen es wirklich mies ging“ ‚.

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1] René Scheu, Der neue Opferautoritarismus, NZZ, 12.08.2016

Die aktuelle öffentliche Diskussion in Deutschland erinnert mich an ein Zitat aus dem Buch Georg von Wallwitz‘ aus 2015, ‚Odysseus und die Wiesel, eine fröhliche Einführung in die Finanzmärkte‘. Von Wallwitz, ehemaliger Investmentbanker, schreibt, dass er und  ehemalige Kollegen normale Kapitalanleger als Plankton bezeichneten. Und behandelten. Wie Plankton durch Meeresströmungen, werden Anleger häufig zu willenlosen Werkzeugen von Zockern, die es verstehen, sie durch Angst und Gier vor sich her zu treiben.

Ähnliches scheint sich aktuell in Deutschland zu ereignen. Teile der gesellschaftlichen Mitte werden durch „Hypermoral von links und blanke Gewalt von rechts“ [1] zunehmend verängstigt und für eine Radikalisierung der Gesellschaft instrumentalisiert. Von politischen Hasardeuren, Dilettanten und machiavellistischen Machtprofis. Unabhängig von der internationalen Wertschätzung, die Deutschland bei Umfragen in den vergangenen Jahren zuverlässigt erfährt. So auch bei einer kürzlich unter 16.000 ‚Global Citizens‘ durchgeführten Umfrage nach dem attraktivsten unter 60 Staaten weltweit. Deutschland war Nummer 1 [2].

Zurück zum ‚gesellschaftlich-politischen Plankton-Spiel‘. Diskurs wird hier zunehmend durch Diffamierung ersetzt. Im Nachklang zur Kölner Sylvesternacht wurde die Frage „Wer hat wem was getan?“ ersetzt durch „Wer darf was über wen sagen?“. Wie schreibt Joffe in der aktuellen ‚DIE ZEIT‘? [3], es geht um Sprachkontrolle, den Feind der Freiheit. ‚ „Dieses Geschäft hat früher der totalitäre Staat besorgt“ ‚. Orwell läßt [in seinem Roman ‚1984‘ [4]] einen Dezernenten aus dem Wahrheitsministerium dozieren: ‚ „Kapierst du denn nicht den eigentlichen Sinn von Neusprech? Beschweigen und beschneiden sollen die Bandbreite der Gedanken einengen. So werden Gedankenverbrechen buchstäblich unmöglich, weil es keine Begriffe mehr gibt, um sie auszudrücken.“ ‚

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Copyright Hartwig Maly, 2016, arrangiert mit der App ‚comic book!‘

Weil mein Blog vor allem mit Managementfragen zu tun hat, sei an dieser Stelle ein kurzer Exkurs erlaubt. Wie sähe ein Einsatz von Angst als professionellem Führungsinstrument aus? Oder dessen Verhinderung? Wie könnten zum Einsatz von Macht neigende ‚Führungscharaktere‘ rechtzeitig identifiziert und entweder gezielt eingesetzt [Economic Hitman, Positiver Psychopath] oder deren Beschäftigung rechtzeitig verhindert werden. Management by Angst wäre das spannende Thema für eine Bachelorarbeit. Einige Stichworte hierzu: Dunkle Triade, Psychopathen, Kevin Dutton und ‚Positive Psychopathen‘, Narzissten, Soziopathen, Kets de Vries-Psychopathen in der C-Suite, Milgram, [Sensorische] Deprivation, Machiavelli, Motivationstheorien.

1 ] Mangold, Imona; Der Verlust der Mitte, DIE ZEIT, 21. Januar 2016,  S. 37
2 ] US NEWS, The 60 Best Countries in the World, 2016
3 ] Joffe, Josef; >>Neusprech<< neu, DIE ZEIT, 21. Januar 2016, S. 8
4 ] Orwell, George; 1984

Ein Troll ist nach Wikipedia ein Oberbegriff für alle plumpen, unheimlichen übernatürlichen Wesen. Häufig ein schadenbringender Riese der nordischen Mythologie. Ein gut gewählter Begriff für jene Spezies in Internet-Kommunikationsforen, die jede sinnvolle Kommunikation zunichte machen. Provozierend, diffamierend und intrigierend ist ihr Auftreten. Die Psychologin Erin E. Buckel (University of British Columbia) wollte wissen, welche Persönlichkeiten hinter den oft anonymen Nutzernamen von Trollen stecken. Das Ergebnis der ersten Untersuchung an mehr als 400 Freiwilligen: Sechs Prozent, also 24 Personen zeigten Anzeichen von Sadismus, Psychopathie und Narzissmus. Sie hatten also große Freude daran, andere zu manipulieren und zu verletzen. Darüber hinaus waren sie rachsüchtig, gefühlskalt und sehr von sich eingenommen. Weil Erin das Ergebnis kaum glauben konnte, wiederholte Sie die Untersuchungen an 188 kanadischen Studenten und 600 US-Amerikanern. Mit gleichem Ergebnis.

Im vergangenen Jahr konnte ich Trolle im Diskussionsforum des Bundestagsabgeordneten Dr. Stephan Eisel erleben. Er stellte sein Buch „Internet und Demokratie“ vor. Unglaublich bis dahin für mich wie unsachlich und persönlich verletzend viele der Kommentatoren waren. Die Luft roch nach Lynchjustiz. Unglaublich auch wie ruhig und penetrant an der Sache orientiert Eisel argumentierte. Hat mich sehr beeindruckt. Ich halte sein Verhalten, wenn man sich der Diskussion mit Trollen überhaupt aussetzen möchte, für empfehlenswert.

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Siehe auch: Daniel Rettig (11. Februar 2014) Sadistische Neigungen – Was bewegt Online-Trolle, www.alltagsforschung.de oder Erin Buckels, Paul Trapnell und Delroy Paulhus (2014) Trolls just want to have fun. Personality and Individual Differences.