# Aufschrei NSA

Veröffentlicht: 3. Juli 2013 in High-Tech, Science, Sichtweisen
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Wir leben in einer sehr empörungsbereiten Informationsgesellschaft mit extrem kurzem Gedächtnis, geringem Sachverstand und großem Manipulationspotential. Der Bericht der EU-Komission zum Großvater des PRISM – Echelon, im Juli 2000 veröffentlicht, geriet in den Wirren von 9-11 in Vergessenheit. Es ist halt sehr zeitaufwändig, Mails mit PGP zu verschlüsseln oder anonymisierende Browser wie Ixquick zu verwenden. Einfacher ist es, sich immer wieder mal zu empören. Investmentbanker kennen diese Herdenverhalten von Amateuranlegern und nennen diese despektierlich Plankton [G. von Wallwitz, Odysseus und die Wiesel, 2011, S. 59]. Willige Opfer eines jeden von ihnen aufgeblasenen Trends, der mit Angst und Gier spielt.

Seit Echelon hat sich die ‘Big Data-Welt’ gravierend geändert.Den neuen Suchstrategien von NSA und GCHQ liegt ein gravierend neuer, aus meiner Sicht fatal falscher Ansatz zugrunde, der ‘End of Theory’ [telepolis 02.07.2013]. “Im Jahr 2008 schrieb der Wired-Herausgeber Chris Anderson […dazu…], dass Daten in unvorstellbarer Menge imstande seien, das Paradigma der theoriengeleiteten Forschung abzulösen. Korrelation ist demnach die neue Kausalität. Wenn nur genügend Daten zur Verfügung stünden, werde der kausallogische Zusammenhang nebensächlich. Allein über die Korrelationen ließen sich Vorhersagen treffen, die sämtlichen theorie-, hypothesen- und kausallogisch geleiteten Prognosen überlegen sind.” [http://www.wired.com/science/discoveries/magazine/16-07/pb_theory ]

Damit sind über Pseudokorrelationen fehlerhaften Analysen Tür und Tor geöffnet. Chaos garantiert. Allerdings erinnere ich mich an einen Hoffnung stiftenden, spannenden Vortrag Prof. Cramers mit dem Thema “Ist Chaos da ist Schöpfung nah.” Sehen wir es optimistisch, wir leben “in statu nascendi” eines herausfordernden Informationszeitalters. Unter der Federführung der Curricula-fixierten US-Kultur.

War es von Clausewitz, der einst sagte – sehr frei wiedergegeben – dass jedes Curriculum beim ersten Feindkontakt stürbe?

Kommentare
  1. Werter Kollege,

    wie wohl tuend sind ihre prägnanten und luziden Ausführungen doch im Angesicht der Sottisen, die momentan unter dem Hochdruck der Empörung das dürftige analytische Niveau zu überschreien gedenken. Dass der radikale Positivismus desaströser auf die soziale Architektur von Gesellschaft wirken kann als verplapperte Geheimnisse, ist ein wahrhaftiger Grund für die Entrüstung!

    Kordiale Grüße vom benachbarten M7!

  2. Tim sagt:

    Sehr interessanter Artikel, siehe hierzu auch:

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/in-santa-cruz-sagen-computer-verbrechen-voraus-a-899422.html

    Erinnert doch stark an den deterministisch geprägten Film „Minority Report“. Zwar ist die Verbrechensbekämpfung ein positiver Aspekt dieser gesammelten und ausgewerteten Korrelationen man sollte sich jedoch vor Augen halten, welche Ausmaße die fortschreitende Vernetzung für jeden einzelnen in Zukunft bedeuten kann.

    • Lieber Tim,

      danke für Ihre Erinnerung an den ‚Minority Report‘. Ist schon lange her und trotzdem noch präsent bei mir.

      Spannender Artikel zum Precrime-Ansatz in Santa Cruz. Die Überschrift ‚Weniger Einbrüche mehr Festnahmen‘ macht micht ein wenig stutzig. Die Gefängnisse in den USA scheinen mir ohnehin überfüllt. Ob irgendjemand die Software für ‚Predictive Policing‘ validiert hat? Ob Wirtschaftskriminalität auch zum Analyseumfang gehört? Nochmal Danke für die spannenden Infos.

      Mit freundlichen Grüßen Hartwig Maly